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Posts from September, 2013

10 Jahre Technologie und Gründerzentrum Oldenburg

Sep 20

Am 18. September 2013 feierte das Technologie und Gründerzentrum Oldenburg seinen 10 Geburtstag. Das TGO ist eines der erfolgreichsten Technologie und Gründerzentren in Europa. Schon lange bevor Inkubatoren und Accelerator Programm im Trend lagen, hat sich die Stadt Oldenburg um ein zu Hause für Technologie Ausgründungen aus der Uni Oldenburg gekümmert.  Ich habe mich sehr gefreut, dass ich die Ehre hatte die Keynote beim Festakt zu sprechen.  Ich habe versucht einige Eindrücke aus der Berliner Gründerszene zu vermitteln, was gar nicht so einfach ist, über etwas zu sprechen was für einen täglich selbstverständlich ist.  Für alle die es interessiert hier meine Gedanken zur Berliner Gründerszene bzw. mein Redeskript sinngemäß:

***

Meine sehr geehrte Damen und Herren,

ich freue mich, dass ich heute hier einige Worte an die Gäste richten darf. Ich wurde gebeten ein wenig über die Gründerszene in Berlin zu berichten. Ich fühle mich natürlich geschmeichelt, dieses tun zu dürfen.

Ich würde gerne über 3 Dinge sprechen.

  1. Warum Berlin die Hauptstadt der Startups ist
  2. Warum wir gerade eine neue Gründerzeit erleben
  3. Was wir tun können um mehr Unternehmer in Deutschland zu bekommen

Ich bin Unternehmerin und Gründerin, habe mein erstes Unternehmen 2004 in Mülheim an der Ruhr gegründet und lebe heute in Berlin. Neben einer eigenen Gründung im Softwarebereich definieren begleite ich Gründer und Unternehmer bei ihren täglichen Herausforderungen. Ich habe in den letzten Jahren über 150 Gründer begleitet und dabei geholfen, dass sie ihr Geschäftsmodell weiter entwickelt haben und ihre Mitarbeiter besser geführt haben. Überwiegend im digitalen Umfeld, aber nicht nur. Bevor ich zu meinen Thesen komme, möchte ich gerne betonen wie gerne ich diese Einladung angenommen habe. Ich finde die Arbeit des  Technologie- und Gründerzentrums Oldenburgs sehr wichtig und bin sehr beeindruckt von dem was hier aufgebaut wurde. Noch wichtiger ist mir, diese Veranstaltung heute einmal zu nutzen um nicht nur dem tgo und seinen Gründern und Gesellschaftern zu gratulieren, sondern ich möchte allen anwesenden Gründern und Unternehmern gratulieren. Als ich meine erste Firma gegründet habe, die Handyanhänger hergestellt und vertrieben habe, haben wir über 4 Jahre vergessen, unsere Erfolge zu feiern.  Zuerst bekamen wir eine Finanzierungszusage der Sparkasse Mülheim (immerhn über ¼ Million), dann war die GmbH gegründet, der erste Mitarbeiter da, die erste Lizenz war gekauft und der erste Kunde hatte unterschrieben. Hinweis Wöltje.  Dann wollten wir die erste Lieferung abwarten, die erste Zahlung, und und und, so habe mein Geschäftspartner, den ich übrigens bei meinem ersten Praktikum bei Ulla Popken ganz hier in der Nähe kennen gelernt habe, 4 Jahre lang geschafft nicht einmal inne zu halten und uns zu freuen, was wir bereits erreicht hatten. Und ich glaube das ist symtomatisch für Gründer.

Aus diesem Grund würde ich gerne diese Feierlichkeiten  nutzen um neben dem eigentlichen Geburtstagskind auch allen anwesenden Gründern und Unternehmern zu gratulieren. Das was ihr jeden Tag leistet und aufbaut ist großartig und ihr habt die Chance einen Unterschied zu machen. Ich glaube fest daran, dass unser Land viel den Mittelständischen Unternehmern und Gründer zu verdanken hat. Die sichum die Ausbildung von Mitarbeitern kümmern, die neue Produkte erfinden und ihren finanziellen Erfolg, wieder Investieren, wodurch sie nicht nur die Wirtschaft ankurbeln, sondern auch wichtige soziale Projekte unterstütze. Und um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, möchte ich auch gerne noch meine Definition von Entrepreneur gleich  mitliefern. Für mich ist ein Entrepreneur Jemand der etwas  an einer Idee arbeitet (also eine vision hat)(also ein Macher- und Umsetzer) und der oder die bei allem was er oder sie tut, darauf achtet, dass der Erlös größer ist als die Kosten. Ob dieser Gewinn dann in seine Tasche oder die eines anderen oder es gar in ein Social Business geht ist dabei nicht entscheidend.

In Berlin wurden in 2012 44.228 Unternehmen gegründet, das sind ca. 10 % aller deutschen Gründungen alleine in der Hauptstadt.  In diesen Zahlen sind natürlich auch Einpersonen Gründungen und Finanzgesellschaften enthalten. Doch auch wenn man die Entstehung von jungen Startup anguckt, ist Berlin eindeutig vorne. Als Gründerstadt.  Meiner Meinung nach liegt das folgenden Punkten:

  • Hoher Lifestyle Faktor von Berlin, junge Menschen kommen gerne nach Berlin
  • Günstige Mieten für Wohnraum- und Büro, Top Standards der Wohnungen, in welcher anderen Hauptstadt, kann es sich ein Gründer leisten mitten in der Innenstadt zu leben und wir haben sogar zwei Stadtzentren
  • Viele Universitäten, versorgen Startups mit hervorragend ausgebildeten Absolventen
  • Leichterer Zugang zu Kapital a) großen VC sind vor Ort b) Leute die schon mal einen Exit gemacht haben, sind gewillt Exit Erlöse zu reinvestieren c) 52 % aller VC Gelder in Berlin kommt aus dem Ausland (der Faktor ist 3 Mal höher als bei anderen deutschen Startups)
  • Gute Förderprogramme
  • Netzwerkeffekt, Erfahrungsaustausch – Nachwuchsprogramm 4 Mal zu viele Teilnehmer wie in den anderen Städten Hinweis, vielleicht können wir das auch bald mal in Oldenburg starten
  • Wettbewerb heizt an besser zu werden

Wissen Sie was die Eisenbahn, der VW Käfer und das Internet gemeinsam haben?

Alle 3 sind Produkte einer Gründerzeit.  Vielleicht sind sie aber auch die Enabler, die Dinge, die eine Gründerzeit möglich gemacht haben. Wikipedia beschreibt mit Gründerzeit einen Zeitraum der etwas in der zweiten Hälfte des 19 JH liegt. Zu dieser Zeit entstanden viele Ideen, bei Firmen wie Langenscheidt, Daimler und Siemens. Die Bedeutung von Kohle und Stahl nahm zu, Eisenbahnen wurden gebaut. Durch die Eisenbahn war eine ganz neue Mobilität möglich.  Merken Sie sich das bitte: Eisenbahn = Transportwesen = Distribution

Der VW Käfer ist ein Produkt des Wirtschafswunders, einer 2. Gründerzeit, die den Wiederbau von Deutschland zum Inhalt hatte. Ein Volksauto, für das Volk, auch hier ermöglicht eine Innovation (und in diesem Fall nicht die Erfindung des Autos) sondern der Zugang für ein eine breite Bevölkerung zum Auto , eine neue Mobilität, Reisen wurde Individualverkehr. Meiner Meinung nach, und mit dieser Meinung bin ich nicht alleine, befinden wir uns gerade in einer dritten Gründerzeit. Einer digitalen Gründerzeit. Das Internet hat uns neue Produkte nämlich digitale Produkte gebracht, bei denen nicht nur die  Bestellung sondern auch die Lieferung erfolgt. Bücher, Musik und Film können auf einfachste Weise bestellt und konsumiert werden.   Kommunikation ist über all möglich und Mobilität somit gar nicht mehr notwendig. Durch Internetelefonie, Videokonferenzen (sogenannten Hangouts) ist es nicht mehr notwendig, mit der Eisenbahn, dem Auto oder dem Flugzeug vor Ort zu reisen, ich rufe meinen Geschäftspartner einfach an oder Veranstalte eine Videokonferenz.  Die Gleichung lautet hier: Internet = digitale Kommunikation = Distribution. Neue Geschäftsmodelle entstehen, neue Produkte und Dienstleistungen werden geschaffen. Diese fordern den etablierten Mittelstand und Großkonzerne heraus. Lassen Sie mich ein Beispiel nennen:  Während ich bei Otto jede Rücksendung teuer bezahlen muss, ist das bei Zalando kostenlos. Während ich mich bei Karstadt mit der Verkäuferin streiten muss ob sie das eingelaufene T-shirt zurück nimmt, kann ich beim Onlineretailer Lands-End alles Lebenslang zurück geben.

  • Neue Geschäftsmodelle entstehen: gerade hat in Berlin ein Laden für Frozen Jogurt, innerhalb von 7 Tagen 500.000 € mit einer Crowdsourcing Kampagne eingesammelt.
  • Über Seiten wie AirBnB und 9flats können Sie ihre Wohnung vermieten, wenn sie die selber nicht brauchen
  • Sie können sich fast alles über das Internet von Fremden leihen
  • Seit dem alle ein smart phone haben, kann ich mit meinem Telefon und einer App jederzeit einen Leihwagen von Sixt und BMW nehmen und ihn an der nächsten Ecke wieder abstellen
  • Sie können für fast alle Produkte des täglichen Bedarfs Abos abschließen, also nicht nur für Zeitungen, Damenhygeneartikel oder Socken, sondern auch für Spielzeug oder Einwegrasierer
  • Männer können sogar schon auf eine Onlineeinkaufsberaterin zurück greifen, die ihm das passende Outfit zusammen stellt, es wird geliefert und was nicht gefällt wird wieder zurück geschickt

Das die permanente Verfügbarkeit auf allen Kanälen nicht nur Vorteile hat, gebe ich ich jetzt einfach so mal in den Raum. Das sich da was Entwickelt ist glaube ich spürbar, trotzdem glaube ich, könnten wir noch viel mehr Unternehmer gebrauchen. Und könnten uns in diesem Fall die USA mal zum Vorbild nehmen:

Wissen Sie, was  in USA zu Jemanden gesagt wird der seine Firma in die Insolvenz geführt hat: Ich möchte in Dich investieren! Du hast alles gelernt was es zu lernen gibt. In Deutschland wenden sich Freunde, Kollegen, Mitarbeiter und Banken ab, man wird als Unternehmer automatisch der Staatsanwaltschaft gemeldet, die dann prüft, ob man zu irgend einem Zeitpunkt die Steuer zu spät gezahlt hat, Sozialversicherungsbeitrage bevorzugt oder eben nicht bevorzugt (da streiten sich die Gerichte noch) bezahlt hat. Einmal Insolvenz angemeldet ist es schwer in Deutschland wieder akzeptiert zu werden. Häufig ist bei kleineren Unternehmen auch die Privatinsolvenz die nächste Konsequenz. Ich glaube das ist ein Bereich, wo wir alle aufgefordert sind, aktiv Mitzuhelfen, den Gründern, die ihr eigenes Geld investiert haben, auf ein sicheres Einkommen verzichtet haben, Arbeitsplätze geschaffen haben, einmal die Hand zu reichen und sie wieder in die Gemeinschaft zu integrieren.

Überlegen Sie mal, wann Sie das letzte Mal gescheitert sind: Ihr Kind mit einer 5 nach Hause gekommen ist, sie einen Auftrag oder eine Stelle nicht bekommen haben, ihre Beziehung in die Brüche gegangen ist. Wie haben Sie sich gefühlt?  Und wie hätten Sie sich gefühlt, wenn Ihnen einer die Hand gereicht hätte und gesagt hätte, nicht so schlimm, Hauptsache Du machst weiter. In diesem Sinne, möchte ich Sie alle bitten, machen Sie weiter, gründen Sie weiter und helfen Sie mit, das Deutschland an Land der Macher und Unternehmer wird.

Danke Schön!

 

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Im Vorfeld hatte ich noch das Vergnügen den Gründer des TGOs Jürgen Bath für Venture TV zu interviewen:

zum Interview

 

Frühstück mit Yunus

Sep 11

Es gibt Tage da rückt die Nahrungsaufnahme beim Frühstück in den Hintergrund. Es gibt EO Treffen bei denen die Tatsache, dass Unternehmer die zusammen mind. 200 Millionen € erwirtschaften im Raum sitzen zu vernachlässigen sind. Das war der Fall am letzten Samstag im August, wir hatten die Ehre mit dem Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus und seinem Team zu Frühstücken.

Mit einem bescheidenen Lächeln kam er rein in den Raum einer teuren Anwaltskanzlei am Potsdamer Platz, schüttelte im vorbeigehen die Hände der Berliner Unternehmer. Weniger wie ein Politiker, mehr wie ein „Mann Gottes“ ohne die Schwere einer Kirche. Jeder der ihm die Hand schütteln durfte, fühlte sich einen Moment ein kleines bisschen wichtig und verbunden, fast freundschaftlich.

Gespannt lauschten wir seinen Ausführungen zur Gründung seines Unternehmens, seines Social Unternehmens. Wir lernen, dass der Unterschied zwischen „Charity“ wo einfach nur Geld oder Sachspenden gegeben werden und „Social Businesses“ die nachhaltig Wert stiften. Bei einem Social Business soll durchaus Geld verdient werden, dieses wird dann aber wieder in das Wachstum des Unternehmens investiert.

Jeder hat sicher schon mal von der Grameen Bank gehört, die heute an fast 8 Millionen Kunden sogenannte Mikrokredite vergibt, damit sie sich eine eigene Existenz aufbauen können. Gestartet ist Yunus allerdings noch viel einfacher, nämlich mit der Bürgschaft für Kleinstkredite, die er für Einkommensschwache übernommen hat. Ursprünglich wollten die Banken ihre Kredite nur an Männer geben, Yunus setzte sich jedoch durch, und die Kredite wurden zu gleichen Teilen an Männer und Frauen vergeben. Die Frauen wollten zunächst das Geld gar nicht haben, aber sobald sie einmal die Verantwortung übernommen hatten, konnte festgestellt werden, dass das Geld von Frauen mit einer deutlich höheren Wahrscheinlichkeit zurückgezahlt wurde und gleichzeitig die Wohlfahrt der Familie gesteigert wurde.

Yunus Aufforderung: „Never listen to women“ sorgte aus dem Zusammenhang gerissen für Lacher bei uns Unternehmern – erklärt aber nur, dass die Frauen sich das Verwalten des Geldes zunächst nicht zutrauten – später aber deutlich erfolgreicher waren als die Männer. Was dazu führt, dass die Grameen Bank heute über 90 % weibliche Kreditnehmer hat.

Eine Sache die besonders passend für die Zuhörer waren, war Yunus Ansatz immer wieder nach neuen Problem in neuen „Märkten“ zu suchen und diese dann geschäftsmäßig zu lösen. Da Probleme ja bekanntlich nicht ausgehen, wird es sicher noch viele Geschäftsideen und Unternehmen aus seiner Feder geben und vielleicht sogar unter Mitwirkung einiger EO Unternehmer.